Die digitale Revolution in der Bauwirtschaft

Neubau Rathaus in Leonberg

Beitrag erschienen im Magazin "DIE NEWS", Ausgabe 11/2018

Building Information Management und Virtual Reality machen Bauprojekte besser planbar, termin- und kostensicherer. Das Prinzip: zuerst digital, dann real bauen.

Autor: Dr. Albert Dürr, geschäftsführender Gesellschafter der Unternehmensgruppe WOLFF & MÜLLER

Wer baut, will Planungs- und Kostensicherheit. Wie das Gebäude in seiner Umgebung wirkt, wann die einzelnen Bauphasen beginnen und welches Budget sie erfordern: Solche Fragen beschäftigen wohl jeden Bauherrn. Mit Building Information Management und Virtual Reality kann WOLFF & MÜLLER all das schon früh präzise beantworten. Unser Bauunternehmen knüpft damit an ein großes Trendthema der Baubranche an: Building Information Modeling, zu Deutsch: Gebäudedatenmodellierung. Modeling bedeutet, dass die Projektbeteiligten – zum Beispiel Architekt, Fachplaner, Bauunternehmen – gemeinsam ein digitales Modell des Gebäudes erstellen. Dieses Modell enthält viel mehr Informationen als die klassischen 2D-Pläne, und zwar die 3D-Geometrie und die Eigenschaften der Bauteile, aber auch die Faktoren Zeit und Kosten. Zum Beispiel sind für eine Wand nicht nur deren Höhe, Breite und Tiefe hinterlegt, sondern auch Aufbau und Materialien, die wiederum mit Preisen verknüpft sind. So lässt sich einfach ermitteln, wie viele Mengen Beton, Stahl, Wärmedämmung usw. für den Bau der Wand erforderlich sind und welche Kosten entstehen. In der fünften Dimension, der Zeit, kann der gesamte Bauablauf simuliert werden. So wird zum Beispiel sichtbar, wann die Bodenplatte des Gebäudes oder die Wände im ersten Obergeschoss zu betonieren sind.

Vom Modeling zum Management
Als Bauunternehmen ist unser Schwerpunkt aber nicht nur das Modellieren, sondern vor allem die Steuerung und Koordination der Beteiligten am BIM-Projekt. Wir bevorzugen deshalb den Begriff Building Information Management. Das Ziel ist, den gesamten Produktlebenszyklus eines Bauwerks digital abzubilden. Das bietet enorme Potenziale bei Qualität, Effizienz und Schnelligkeit. Das Bauen wird präziser und transparenter. Statische Zusammenhänge, aber auch Fehler, lassen sich am Modell besser erkennen und lösen, zum Beispiel wenn sich Haustechnik und Tragwerk in die Quere kommen. Alle Beteiligten stimmen sich früher und enger ab als beim klassischen Bauprozess.  Die Vorteile von BIM zeigen sich vor allem in der langen Betriebsphase. Die fertige Immobilie hat einen exakten digitalen Zwilling – dieses Modell ist eine Datenbank für alle, die das fertige Gebäude nutzen und bewirtschaften. Der Betreiber kann damit etwa Energie-, Reinigungs- und Wartungskosten berechnen und Umbauten planen.

Beispiel Rathaus: fünf Partner, ein Modell
WOLFF & MÜLLER ist ein Vorreiter der BIM-Methode und wurde für die beispielhafte Anwendung schon mehrfach ausgezeichnet – zum Beispiel als „Bauunternehmen des Jahres 2018“ in der Kategorie Hochbau. Eines unserer fortschrittlichsten BIM-Projekte war der Ende 2016 abgeschlossene Neubau des Rathauses in Leonberg bei Stuttgart. Insgesamt waren fünf Partner rund um das Architekturbüro Schaller an dem Projekt und somit auch am Gebäudedatenmodell beteiligt. WOLFF & MÜLLER als ausführendes Bauunternehmen und Partner mit der meisten BIM-Erfahrung definierte die Prozesse, steuerte und koordinierte die Arbeit am BIM-Modell.

Beispiel Bürogebäude: Räume virtuell begehen
Ein weiteres Beispiel für BIM und auch für Virtual Reality ist das Bürogebäude für die SOFiSTiK AG, ein führender Hersteller von Bausoftware, am Standort Nürnberg. Obwohl der Neubau erst 2019 fertig sein wird, konnte der Bauherr die Räume schon im Sommer 2018 betreten und alle Details inspizieren – und zwar in einer sogenannten Cave am Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation in Stuttgart. Die Cave ist ein Raum, in dem mehrere Menschen eine dreidimensionale virtuelle Welt im Maßstab 1:1 erleben können. Mit Hilfe eines 3D-Projektionssystems wurde das BIM-Modell des Bürogebäudes auf eine große Wand und die umgebenden Seiten projiziert. Wie bei 3D-Filmen im Kino erhielt jeder Betrachter eine 3D-Brille. Das Bild folgte in Echtzeit den Bewegungen des Trägers.  Mit dieser Technik konnte das Team verschiedene Bereiche und Gewerke des Modells überprüfen und festlegen, wo noch nachgebessert werden muss. Neben BIM spielt also Virtual Reality eine immer wichtigere Rolle bei der Digitalisierung der Bauwirtschaft.

Infokasten
WOLFF & MÜLLER ist mit rund 2.000 Mitarbeitern an 27 Standorten im Bundesgebiet eines der führenden Bau¬unter¬neh¬men Deutschlands in privater Hand. Ein Schwerpunkt ist das Bauen für den Mittelstand, insbesondere für andere Familienunternehmen. Dabei bietet WOLFF & MÜLLER an, außer dem Schlüsselfertigbau auch sämtliche Beratungs- und Planungsleistungen sowie Services für den Betrieb von Immobilien zu übernehmen. So sind alle Abläufe gut miteinander verzahnt, es gibt weniger Schnittstellen und weniger Reibungsverluste als beim herkömmlichen Planungsprozess. Mehr Informationen: www.wolff-mueller.de und www.wolff-mueller.de/mittelstand

Bilder, Quelle: WOLFF & MÜLLER

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